Pfannentuning
Man glaubt es kaum, aber es gibt Küchengeräte, die sind ab dem ersten Tag für ihre Bestimmung nicht wirklich tauglich. Bei unseren lustigen Mittagsrunden hatte ich sie kürzlich erst angesprochen: Die Billigpfanne für 8€, deren aus Aluminium-Trompetenblech gefertigter Boden derart gewölbt ist, dass die Netto-Auflagefläche auf der Herdplatte eines Elektroherdes wohl weniger als 1cm² beträgt. Optimal identifizieren kann man derlei Utensil leicht an der nahezu reibungslosen Drehbarkeit, wenn das Teil auf einer Herdplatte oder einem Ceranfeld steht. Das erinnert mich immer an einen Brummkreisel, der lustig auf der Spitze stehend hunderte Umdrehungen vollführt, bis er dann irgendwann kraftlos umfällt.
Tja, erst noch aufgeregt, 3 Tage später begrüßt mich Jan mit den Worten: „Ich war heute im Kauf§$./!&-° und habe eine neue Pfanne mitgebracht! Die ist beschichtet und hat nur 8€ gekostet.“ Schweigen. Dann: „Zeig mal her das Ding“. Bratgerät auf die Fläche gestellt und siehe da, hui, der Brummkreisel, verdammt. Dass er Schrott gekauft hat wollte er nicht gleich einsehen. „Wenigstens kannst Du dann bei Herd auf höchster Stufe schonend im Niedrigtemperaturverfahren garen!“. Ich bin ein Arsch, ich weiß. Problem am ganzen Gerät ist die Auflagefläche von 1cm². Der Rest der Fläche befindet sich zwar nur wenige Millimeter von der Herdplatte entfernt, dazwischen befindet sich aber Luft und diese ist, genau, Physikunterricht -> Thermodynamik -> ein sehr schlechter Wärmeleiter. Die Luft isoliert die Hitze der Herdplatte von der Pfanne nach bestem Wissen und Gewissen. Sie kann ja nicht ahnen, dass sie das im energiebewussten Deutschland ausnahmsweise mal nicht tun soll.
Das Teil war nun da und der praktische Beweis erbracht. Nein, wir werfen das gute Stück nicht weg oder verbannen sie in den hintersten Teil des Schrankes sondern wir werden sie bearbeiten! Kaltverformung nennt das der Profi. Man nehme also einen Hammer, stelle die Flache Seite (fachdeutsch „Bahn“) seines Kopfes auf die Arbeitsplatte, greife die Pfanne und schlage diese vorsichtig mehrfach mit der Mitte der Unterseite auf die nach oben ragende Hammerspitze (fachdeutsch „Finne“). Zwischendurch testet man auf der Herdplatte, ob der Brummkreiseleffekt weg ist. Wir brauchten in der Praxis 4 gezielte Schläge, dann war der Pfannenboden platt wie das Wattenmeer. Kein Brummkreisel mehr, alles super. Pfanne anschließend getestet, und siehe da, es ließen sich sogar Röstaromen produzieren! Da soll noch mal einer sagen, dass Tuning nur was für Prolls ist!
In einem späteren Beitrag werden wir den betriebswirtschaftlichen Vorzug des Studiums von Discounterprospekten zum Thema Pfannenkauf beleuchten!




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