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Schulküche reloaded — Nudeln mit Tomatentunke

Schulkueche-Reloaded

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Auf­ge­wach­sen bin ich quasi auf einer Insel mit­ten in der DDR. Die Insel war eine große kirch­li­che Ein­rich­tung in unse­rem Dorf, unter ande­rem mit einem von mir besuch­ten und völ­lig von der Norm abwei­chen­den, freund­li­chen und inte­gra­ti­ven Kin­der­gar­ten. Mit­tag­es­sen gab’s immer zuhause, selbst gekocht, so aus­ge­wo­gen und wert­voll wie es das spär­li­che Ange­bot eben her­gab. Irgend­wann kam ich dann in die Schule und wurde mit dem rea­len Sozia­lis­mus kon­fron­tiert. In der drit­ten Klasse war meine kri­ti­sche Selbst­re­fle­xion über die Insel hin­aus soweit fort­ge­schrit­ten, dass ich beschloss, von nun an an der har­ten Wirk­lich­keit per­sön­lich teil­zu­neh­men, “muss man irgend­wann, nützt ja nix”. Ich infor­mierte meine doch ver­wun­derte Mut­ter dar­über, von nun an an unse­rer staat­li­chen Schul­spei­sung mit all den dazu­ge­hö­ren­den Kohl­ge­rü­chen, über­schrit­te­nen Gar­punk­ten und Plas­tik­sä­cken voll vor­ge­schäl­ter Kar­tof­feln teilzunehmen.

Aus die­ser Zeit stammt die­ses Gericht, klar… Natür­lich habe ich es den aktu­el­len Ansprü­chen etwas ange­passt und dadurch die Erträg­lich­keit extrem stei­gern können.


Man nehme für 3 hung­rige Zeitreisende:

  • 500g Spi­relli
  • 1 Zwie­bel
  • 1 grö­ße­res Stück Jagdwurst
  • Mehl
  • 1 Tube Tomatenmark
  • Gekörnte Brühe
  • But­ter
  • Salz
  • Zucker

Zuerst gesal­ze­nes Was­ser für die Nudeln auf­set­zen (sobald das kocht, Nudeln dazu) und die Zwie­bel und die Jagd­wurst (im Ori­gi­nal aller­lei Fleisch– und Wurst­über­bleib­sel ver­gan­ge­ner Tage/Wochen) klein schnei­den und in But­ter (im Ori­gi­nal fiese Mar­ga­rine) anbra­ten. Hat alles Farbe bekom­men, mit 2 – 3 Ess­löf­feln Mehl bestäu­ben und schnell durch­rüh­ren, bis sich das gesamte Mehl mit dem Fett ver­mischt hat. Nun Was­ser angie­ßen (vor­ge­kocht mit einem Was­ser­ko­cher beschleu­nigt enorm), auf­ko­chen und dabei mit einem Schnee­be­sen zu einer mehl­klum­pen­freien Mehl­soße glatt­rüh­ren. Dann das Toma­ten­mark hin­zu­ge­ben (im Ori­gi­nal nur 1/5 der Menge -> Man­gel­ware!!) und wie­der gut mit dem Schnee­be­sen durch­rüh­ren. Dann Salz, gekörnte Brühe und eine Prise Zucker hin­zu­ge­ben und kos­ten, ggf. nachwürzen.

Wer sich für die ganz authen­ti­sche Aus­füh­rung ent­schei­det, kocht die Nudeln bereits am Mor­gen min­des­tens eine drei­vier­tel Stunde und hält sie dann bis zum Mit­tag warm. Zum ser­vie­ren sticht man dann mit einer Schaum­kelle aus der Pampe einen Wür­fel her­aus. Wir haben uns für die stink­nor­male, „neue“ Koch­weise ent­schie­den. Abwei­chend vom Ori­gi­nal habe ich auch noch ein paar Bock­würst­chen hal­biert, an den Enden ein­ge­schnit­ten und kurz gebra­ten, die dann oben­drauf ser­viert wur­den. Eine Hom­mage an den Kin­der­ge­burts­tag als solchen.

Fazit: Aus­ge­wo­gen und gesund ist anders, geschmeckt hat’s trotz­dem gut! Also, mal nachmachen!

11 Kommentare für Schulküche reloaded — Nudeln mit Tomatentunke

  • Es gehen Gerüchte um und kön­nen aus eige­nen Erfah­run­gen bestä­tigt wer­den, daß die­ses Gericht in diver­sen Essens­ein­rich­tun­gen höhe­rer Bil­dungs­stätte ein Ren­ner ist.

  • :-) War frü­her auch ein Ren­ner… die Geis­ter schie­den sich dann aber spä­tes­tens bei Pud­ding­suppe mit Zwie­back, Milch­nu­deln oder Grau­pen­suppe, obwohl letz­tere gut zube­rei­tet nicht zu ver­ach­ten ist…

  • Melly

    Aber was sind die gel­ben(?) Stück­chen neben den Würst­chen? Kür­bis? (Wäre wohl zuviel Gemü­se­bei­lage für DDR-Küche, aber in der Kom­bi­na­tion traum­haft ddr-like.

  • Das ist die Jagd­wurst in der Soße!! :-D

  • @Melly: Ooookk­kaaayyy, es sieht wirk­lich etwas so aus wie Kür­bis­stü­cken, aber es ist “ledig­lich” son­nen­be­schie­nene Jagd­wurst in toma­tier­ter Soße. Beim nächs­ten Foto wird bes­ser aus­ge­leuch­tet, jawoll!

  • Übri­gens nennt man die Form der Jagd­wurst, so wie sie auf dem Bild zu sehen ist, Bären­tatze (zumin­dest in mei­ner pri­va­ten Sphäre ;-) )

    @buffn eigent­lich wären mal Buch­teln mit Vanil­le­soße oder Kraut­nu­deln als Kind­heits­er­in­ne­rungs­es­sen fäl­lig ;-)

  • DaCooka

    @Wenke: Im Tal der Ahnungs­lo­sen mag das viel­leicht Bären­tatze gehei­ßen haben aber hier in der Zone mit West­fern­seh­emp­fang sind das “Igel­chen” (die meine Kin­der übri­gens immer noch zum Kin­der­ge­burts­tag krie­gen). Und da ich nicht fast in der CSSR auf­ge­wach­sen bin, sind Buch­teln auch keine Kind­heits­er­in­ne­rung… und was für ein Ersat­zes­sen sol­len “Kraut­nu­deln” sein (zer­kochte Nudeln mit Weiß­kohl)? Ich wußte gar nicht, daß die Ver­sor­gungs­lage bei Euch so schlecht war.

  • DaCooka

    @buffn: Pud­ding­suppe mit Zwie­back hört sich gut an (auch wenn das für Erwach­sene nicht wirk­lich ein Mit­tag­es­sen ist), Milch­nu­deln funk­tio­nie­ren glaube ich nur in Groß­kü­chen­töp­fen (zumin­dest legen das die ent­täusch­ten Nach­koch­ver­su­che meh­re­rer Leute nahe) und Grau­pen­suppe kannst Du gern mal kochen, wenn ich nicht da bin (dafür würde dann wohl meine Freun­din gerne vorbeikommen).

  • DaCooka

    Bei unse­rer Schul­kü­chen­ver­sion waren auch immer noch im Nudel­block, der aus dem Warm­hal­te­be­häl­ter aus­ge­sto­chen wurde, — jetzt hätte ich bei­nahe Schin­ken­stück­chen geschrie­ben — irgend­wel­che unde­fi­nier­ba­ren win­zig­klei­nen Wurst­stü­cken (oder was ich als Kind dafür hielt) mit­ge­kocht worden.

  • mein lie­ber Herr @DaCooka… sol­che Bil­dungs­lü­cken ent­set­zen mich! Buch­teln sind die Luxus­va­ri­ante Euer hier ange­dach­ten Pud­ding­suppe mit Zwie­back.… naja, in der Börde kann man sich eben nur die Arme-Leute-Variante leis­ten ;-)
    Und das Du Kraut­nu­deln nicht kennst: Nudeln, Weiß­kraut ange­bra­ten, Wurst dazu (bei­spiels­weise Salami). Dar­auf fuhr bei uns die halbe Schule ab. Los, mal ausprobieren!

  • Nudeln mit Toma­ten­tunke sind in der coo­len Ossi-Variante ein ech­ter Knal­ler. Um die­ses Menü noch abzu­run­den, würde ich statt der “Wurs­ti­gel” ein schö­nes Jäger­schnit­zel (natür­lich nicht die West­va­ri­ante son­dern die gute alte panierte Jagd­wurst) auf den Tel­ler hauen.

    Schme­cken lassen!

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